Herzlich willkommen bei www.audiopaedagogik.ch

Liebe Eltern, liebe KollegInnen,
verehrte Gäste

2024 wird ein bedeutendes Jubiläumsjahr werden. Doch dann werde ich diese Website längst nicht mehr verantworten. Sie startete im August 2007, besteht also seit mehr als zehn Jahren, wird ständig hinsichtlich Veranstaltungen aktualisiert und fortlaufend bezüglich den Rubriken Links und Medien geprüft. Derzeit sind ungefähr 170 Beiträge im Archiv nachlesbar. Sie sind überwiegend von praktischen Erfahrungen angeregt, zeigen Missstände und Verbesserungsmöglichkeiten auf und  ermuntern zur Auseinandersetzung mit Themen rund um Behinderung und Integration, Hörschädigung und CI.

Inzwischen habe ich, im regulären Ruhestandsalter, die Reduktion meiner Pensen eingeleitet. Mandate gab und gebe ich bei einem günstigen Termin ab, beispielsweise beim Wechsel eines therapierten Kindes oder Jugendlichen vom Kindergarten zur Schule, von der Primarschule zur Oberstufe, von der Schule zur Lehre. Neue Mandate lehne ich ab. Infolgedessen verringern sich meine Einblicke in unterschiedliche Bildungsstätten und ihr Geschick oder Problem im Umgang mit Hörbehinderten. Da ich nicht irgendwann bloss aus der Vergangenheit berichten oder nur theoretisch schreiben möchte, zeichnet sich Ende meines Engagements für www.audiopaedagogik.ch ab.

So mag der Schalk begründet sein, heute auf das noch ferne Jubiläum hinzuweisen. Organisatoren werden vielleicht um 2021 herum zu überlegen beginnen, wie sie vorgehen: Broschüre oder gar Buch? Symposien, wenn ja mit wem? Ein Fest intern oder für die breite Öffentlichkeit? Beauftragung einer Agentur? Ein kleiner Auszug von Fragen und Aufgaben bei der anfänglichen Vorbereitung einer bedeutenden Veranstaltung ohne Routine.

Aha, phantasieren Scherzbolde eventuell: Es geht um den 100. Todestag von Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt unter dem Namen Lenin, des Revolutionärs, der vom 21. Februar 1916 bis zum 2. April 1917 an der Spiegelgasse in Zürich wohnte. Er starb im Januar 1924 in Moskau. Gewiss werden Historiker, Publizisten u.a. an Lenin, seine Gedanken und Taten und Wirkungen seines Handelns erinnern. Aber dies gehört nicht hierher. Es ist Zufall, dass in demselben Jahr, da er ablebte, eine Institution startete, die sehr wohl im Zusammenhang dieser Website hervorzuheben ist.

Am 8. April 1924 beginnt der erste Jahreskurs am Heilpädagogischen Seminar (HPS) in Zürich. Die Initianten für die Gründung hatten beobachtet, dass mit Zunahme zerrütteter Familienleben die Zahl der Kinder wächst, die besondere Erziehung benötigen, und erkannt, dass bei Schulpflicht auch für körperlich oder kognitiv Schwache sowie für Verwahrloste ausgebildetes Personal erforderlich ist. Die Seminar-Verantwortlichen – Taubstummen- und Blindenlehrer, Vertreter der sogenannten Anormalenhilfe – verlangen für die Aufnahme ethische Haltung, abgeschlossene Lehrerausbildung und mindestens ein Jahr Praxis. Diese Anforderungen hatten noch meine Mitstudierenden und ich in den 1990er Jahren am HPS zu erfüllen, das seit 2001 als Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik geführt wird.

Erster Seminarleiter wird Heinrich Hanselmann (1885 – 1960), in Theorie und Praxis sehr aktiv. Er verfasst das Standardwerk „Einführung in die Heilpädagogik“ (neun Auflagen) und wird 1931 erster (ausserordentlicher) Professor für Heilpädagogik in Europa an der Universität Zürich. Anfangs seiner Karriere schaffte er als Lehrer in der Taubstummenanstalt St. Gallen (von 1905 bis 1908), und später arbeitete er mit notleidenden Jugendlichen im Landerziehungsheim Albisbrunn. Vermutlich waren in der knappen freien Zeit berufliche Fragen nicht ausgespart, dürften vielmehr solche Erörterungen mit der Ehefrau, einer Taubstummenlehrerin, im häuslichen Alltag üblich gewesen sein. Hanselmann bleibt bis 1941 Seminarleiter am HPS. Zusätzlich amtet er als Präsident der 1937 gegründeten „Internationalen Gesellschaft für Heilpädagogik“. Sie richtet Ende Juli 1939 in Genf den ersten internationalen Heilpädagogik-Kongress mit 300 Fachleuten aus 32 Ländern aus, fünf Wochen vor dem Einmarsch von Soldaten aus Nazideutschland in Polen und damit dem Beginn des 2. Weltkriegs.

Es wirkte sich lange Zeit für die Hörgeschädigtenpädagogik günstig aus, dass an der Gründung vom HPS und der Unterrichtsgestaltung Fachkräfte dieses speziellen Zweigs der Heilpädagogik massgeblich mitwirkten. Derzeit mutet die Lehre, was die auditiv-verbale Methode anbelangt, zeitlich an den Rand gedrängt an, verzichtet die Schweiz auf Forschung und Dozentur zur Audiologie und droht ihre einst vorzügliche internationale Position zu verspielen.

Mit diesen skizzenhaften Hinweisen lasse ich es bewenden. Als Quelle dient das Kapitel „Heinrich Hanselmann“ von Dieter Lotz (S. 97 ff.) in dem 2000 erschienenen Sammelband „Lebensbilder bedeutender Heilpädagoginnen und Heilpädagogen des 20. Jahrhunderts“, herausgegeben von M. Buchka, R. Grimm und F. Klein. Schliesslich wäre es schade, wenn durch allzu ausführliche Information an dieser Stelle Spannung und Vorfreude auf das Jubiläum beeinträchtigt würden.

 

©Susi Ungricht Rex

 

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