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„Je früher sozial benachteiligte Gruppen beim Spracherwerb gefördert werden, desto weniger Probleme haben später Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht und desto tiefer fallen die sozialen und ökonomischen Folgekosten für die Gesellschaft aus.“ Lieber beizeiten investieren und nachher weniger ausgeben müssen als sparen, so dass Schwierigkeiten programmiert sind, die nur schon zu mindern viel (unberechenbaren) Aufwand erfordert. So etwa könnte man, auf das Finanzielle beschränkt, aus der Lehre und Erfahrung von Alexander Grob schliessen, dem eingangs zitierten Professor für Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Basel.

Er hat sich intensiv damit befasst, in welchem Alter und unter welchen Umständen Migrationskinder am besten Deutsch lernen. Das Ziel: Sie sollen mit ausreichenden Sprachkenntnissen den Kindergarten besuchen, auch wenn sie im Gegensatz zu Gleichaltrigen aus dem Aufnahmeland ohne Input zuhause auskommen müssen. Basel hat sich früh dieser Herausforderung gestellt und als Pionier unter dem ehemaligen Erziehungsdirektor Christoph Eymann, mit Beratung von Professor Grob, ein Modell für diese Aufgabe entwickelt. Ob seines Erfolgs hat es inzwischen Nachahmer gefunden.

UNI NOVA, das  Wissenschaftsmagazin der Universität Basel, berichtet in der Ausgabe Nr. 130 / November 2017 über praxisnahe Forschung zu diesem Projekt (S. 54 f.) und betont, wie bedeutend der frühe Zeitpunkt der Intervention ist, um die zunächst fremde Sprache zu unterrichten bzw. zu erwerben. Samuel Schlaeflis Artikel „Sprachförderung: Je früher, desto  besser“ ist sehr zu empfehlen:

1. Aktuell drängt sich der Vergleich zur jüngsten Zürcher Entwicklung auf, zum Entscheid für das Sparen bei der Frühforderung mit Verzicht auf die lange Sicht des Heranwachsens (s. Archiv 11. November 2017).

2. Unübersehbar sind Parallelen zu auditiv-verbaler Schulung für hörbeeinträchtigte und gehörlose, mit CI versorgte Kinder. Auch hier ist längst der Vorteil raschen Eingreifens erkannt und belegt.

Bei Migrations- wie bei hörgeschädigten Kindern sollte die im Vergleich zu höherem Alter geringe Mühe des Spracherwerbs in den ersten sechs Lebensjahren Erziehende und anderweitig Verantwortliche anspornen, beizeiten zu handeln. Wer es unterlässt, verbaut Chancen, engt die Möglichkeiten der betroffenen Kinder später in der Schule und der Freizeit, dann im Beruf ein. Kommunikation dient der Integration in die Gesellschaft und zur unabhängigen Teilhabe. Frei von Dolmetschenden, jederzeit sich verständigen zu können, spontan oder überlegt, diskret oder öffentlich, stärkt obendrein das Selbstwertgefühl. Wer erfolgreich den Weg zum (Laut-)Spracherwerb gemeistert oder hierbei begleitet hat, möchte diese Fähigkeit nicht missen. Bald tragen rund 3000 Hörgeschädigte in der Schweiz Cochlea Implantat. Empfehlungen und positive Berichte haben vielfach zum Entscheid für die elektronische Hörprothese beigetragen, aber auch die Einsicht, dass die Alternative – ein Leben ohne oder mit extrem eingeschränktem Hörvermögen – nicht vor eine echte Wahl stellt, sofern CI medizinisch möglich ist.

Ein motivierendes Umfeld darf nicht fehlen, damit gelingt, wozu die Gesellschaft ausserfamiliäre Kräfte einsetzt und bezahlt. Ausdrücklich weist der Artikel hierauf hin. Erziehende sollten Verwandten, Nachbarskindern oder in der Krippe erklären, warum jemand Hörgerät oder –prothese benötigt, und auf fairen Umgang, ohne Hänseleien, von Menschen mit und ohne Handicap pochen.

©Susi Ungricht Rex

UNI NOVA erscheint zweimal jährlich in deutscher und englischer Sprache. Es ist online lesbar unter https://www.unibas.ch. Die Printausgabe kann man kostenlos bestellen: Universität Basel, Kommunikation. Petersgraben 35, Postfach. 4001 Basel

 

 

 

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