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verehrte Gäste

Im Kanton Zürich sollen neue Regelungen der Frühförderung gelten, eventuell ab 2018. Bewilligungen vorausgesetzt, wird sie vorübergehend, länger- oder langfristig beeinträchtigten Kindern gewährt, in besonderen Fällen inklusive therapeutischen Engagements in und mit den Familien. Die Finanzierung obliegt dem Amt für Jugend- und Berufsberatung. Nach der Einschulung haben entsprechende Massnahmen die Gemeinden zu tragen. Der Zuzug beispielsweise einer Familie mit zwei (mehrfach-)behinderten Kindern kann in kleinen Orten Steuererhöhung veranlassen. Manche Eltern ziehen in dieser Situation das Leben in der Grossstadt mit wohltuender, schützender Anonymität vor.

Heute wird die Frühförderung nach dem Besuch der Krippe, beim Eintritt in den Kindergarten fortgeführt - bis zu zwei Jahren, zumindest noch kurze Zeit, meist bis zu den Herbstferien. Da aber schon nach den Sommerferien eine neue Kraft fördert, wenn und soweit erforderlich, gibt es für ein Quintett Doppelspurigkeit. Hierin erkennen manche unklugen, zu Bequemlichkeiten einladenden Umgang mit Ressourcen von Fachleuten und mit Geld. Es sei geschickt und verantwortungsbewusst, die Aufgaben zeitlich klar zu trennen: Ende der Frühförderung mit Schluss des Krippenbesuchs, Neuanfang im Kindergarten ohne Übergang.

Es irritiert, dass die in etlichen Berufen gültige Erfahrung nicht thematisiert wird, der zufolge die alte Kraft die neue einarbeiten sollte, um eben jene Feinheiten zu vermitteln, die aus Akten selten hervorgehen. Dabei agiert die Förderung in einem Umfeld, das für erfolgreiche Tätigkeit oft viel Hintergrundwissen verlangt. Kultur, Haltung, familiäre Struktur, Atmosphäre u.a.m. sind von Bedeutung. Was in Dokumenten eher spröde und – juristisch geboten - zurückhaltend vermerkt ist, kann in Gesprächen klarer zum Ausdruck kommen, wenn Frühförderin und schulische Heilpädagogin einander verstehen und eine Vertrauensbasis geschaffen ist. Aus Antworten auf Fragen, die sich in der Praxis ergeben, entsteht innert Kürze, aber eben nicht nach nur einem Gespräch für die neue Kraft ein solides Fundament, auf dem sie mit ihren Ideen aufbauen kann.

Die Ende Oktober bekannt gegebene Neuregelung geht über diesen mir wichtigen Aspekt nonchalant hinweg. Mag sein, dass seine Geringschätzung in Anbetracht ständiger Betonung des Werts von Flexibilität nicht überrascht, so wenig wie, dass weiche, nicht mit Zahlen als vorteilhaft beweisbare Faktoren bei einer Sparmöglichkeit hintanstehen.

Politikerinnen, Fachleute der Sonderpädagogik und Journalisten müssen das breite Spektrum der Frühförderung von Autismus bis Verhaltensauffälligkeit bedenken. Im Folgenden gehe ich allein auf Hörschädigung ein, hierbei wiederum auf einen konkreten Fall aus meiner Praxis.

Lena (Name geändert) ist gehörlos geboren, trägt beidseits CI seit ihrem ersten Lebensjahr und geht zur Krippe. Im nächsten Jahr wird sie, etwa 4 ½ jährig, zum Kindergarten wechseln. Ich werde dann ungefähr vier Jahre mit dem Mädchen (s. Archiv: „Lena als Vorbild“. 22. Dezember 2016) audiopädagogisch geschafft haben, wie immer beim Hörspracherwerb indirekt auch mit seinen Eltern und Grosseltern. Insbesondere die gehörlose Mutter, in ihrer eigenen Kindheit und Jugend von mir lautsprachlich geschult, wünscht Kontinuität. In meinem besonderen Fall ist dies grundsätzlich möglich, da ich sowohl Früherzieherin als auch mit meinem Lehrerpatent schulische Audiopädagogin bin. Normalerweise wird sich, sollten die Vorstellungen vom Kantonsrat umgesetzt werden, die Frühförderin im Sommer verabschieden und nach der jahreszeitlich üblichen Pause ihre Nachfolgerin im Kindergarten das Mandat übernehmen.

Die Änderungen werden kaum helfen, Kosten zu reduzieren, sondern sie (an anderen Stellen) ziemlich sicher erhöhen – so ein Debattenbeitrag im Kantonsrat am 30. Oktober 2017. Wozu soll der offenkundige, wenngleich bestrittene Qualitätsverlust zulasten behinderter Kinder und ihrer Eltern gut sein?

Im Kanton Luzern beginnt man mit den offiziellen Narreteien am 11. im 11. Der Kanton Zürich hält sich nicht an diesen strengen Kalender und startet, trotz Zwingli plötzlich hierfür aufgeschlossen, schon im Oktober.

©Susi Ungricht REX

 

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